Einzelförderung im Bereich Sozialtraining

Einzelförderungen werden für alle Altersstufen und für das gesamte Autismus-Spektrum angeboten. Folgende Methoden kommen gezielt und individualisiert zum Einsatz:

Social Stories/Soziale Anleitungen

Eine Social Story ist eine Lerngeschichte, die durch bestimmte Charakteristika definiert ist (s. Carol Gray). Sie beschreibt eine Situation, ein Konzept oder eine soziale Fähigkeit auf eine bedeutungsvolle Art und Weise (Gray, 2000).

Social Stories können dabei helfen, eine schwere Situation aufzuarbeiten, versuchen aber häufiger, der betroffenen Person soziale Information zu geben, die ihr fehlen. Eine Social Story kann aber auch geschrieben werden, um einem Kind mit autistischer Störung zu vermitteln, dass es in einer bestimmten Situation etwas ganz besonders gut gemacht hat.
Soziale Anleitungen orientieren sich am amerikanischen Vorbild von Carol Gray, sind nur thematisch und sprachlich an deutsche Verhältnisse angepasst worden. Auch sie beschreiben in klar und konkret gehaltener Sprache soziale Sachverhalte, die Menschen mit Autismus im Allgemeinen nicht automatisch erwerben. Mögliche Themen sind: „Warum schaut man Menschen an, wenn man sie begrüßt?“, “Wissen Lehrer wirklich alles?“ oder “Was bedeutet „Du hast ein Brett vorm Kopf?“ usw. Alle Anleitungen werden dann in einem persönlichen Hefter aufbewahrt.

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Comic Strip Conversations (C. Gray)

Comic Strip Conversations (Unterhaltungen nach Art von Comic Strips) sind illustrierte Interaktionen, die kommunikative Fähigkeiten bei Menschen mit Autismus fördern. Eine Unterhaltung findet hier in Form von wechselseitigen Zeichnungen statt. Die Symbole dafür können individuell festgelegt werden. Es können Strichmännchen sein oder Lieblingsfiguren aus Comics. Gesagtes kann durch Sprechblasen dargestellt werden. Auch Farben können zum Einsatz kommen, beispielsweise die Farbe rot für Wut.

Die Zeichnungen üben die Funktion aus, die Kommunikation zwischen Menschen darzustellen. Sie helfen, die vielen Anzeichen zu deuten, die während einer Kommunikation rapide und subtil ausgetauscht werden. Comic Strip Conversations identifizieren systematisch was andere Menschen sagen und tun und betonen, was Menschen denken könnten.

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Theory of Mind Training

Theory of Mind bezeichnet die Fähigkeit zu deuten, was andere Menschen denken, fühlen oder beabsichtigen. Auch kann durch ToM-Fähigkeiten aufgrund dessen, was Menschen tun, denken oder fühlen vorhergesagt werden, was sie als nächstes tun werden. Mangelnde Fähigkeiten im Bereich der ToM führen zu sozialen Missverständnissen und in Folge zu Schwierigkeiten in der Interaktion und Kommunikation.

Aus diesem Grund soll die Fähigkeit zur Theory of Mind mittels diverser Übungseinheiten, die aufeinander aufbauen, trainiert werden. Dazu zählt das Deuten von Gesichtsausdrücken ebenso wie das Hineinversetzen in gezeichnete Figuren, die ein Bedürfnis haben oder etwas glauben, was nicht oder doch so eintrifft wie sie dachten. Solche Szenarien können auch mit Spielzeugfiguren nachgestellt werden, so dass die Situation besonders anschaulich wird.

Zusätzlich kann der FEFA (Test und Trainingsprogramm zum Erkennen des Fazialen Affektes) eingesetzt werden. Anhand eines Computerprogramms lernen die Betroffenen, verschiedene Gesichtsausdrücke zu deuten und mit dem jeweiligen Gefühl in Verbindung zu bringen. Comics geben Hilfestellung, wenn eine Lösung falsch war.

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Emotionstraining

Die kognitive Verhaltenstherapie („Exploring Feelings“) nach T. Attwood bietet eine strukturierte Fördermethode, um die Kontrolle von negativen Emotionen wie Wut und Ärger zu ermöglichen.
Dabei lernen die Betroffenen zunächst ihre gesamte Gefühlspalette kennen und entwickeln diverse individuelle Strategien, um sich zu entspannen oder ihren Ärger adäquat zu äußern.

Der Kurs „Ich bin was Besonderes“ von Peter Vermeulen dient dazu, die Diagnose Autismus mit dem Kind/Jugendlichen zu besprechen. Er stellt spezielle Arbeitsmaterialien dafür zur Verfügung, um Andersartigkeit zu thematisieren und sich der eigenen Schwächen und Stärken bewusst zu werden. Dieser Kurs wird durch diverse weitere Materialien und individuell angefertigte Soziale Anleitungen oder Arbeitsblätter ergänzt.
Die Aufklärung der Diagnose Autismus erfolgt nur auf Wunsch der Eltern oder des Jugendlichen und auch nur dann, wenn dies für den weiteren Lebensweg vorteilhaft erscheint. Das Kind/der Jugendliche sollte zu diesem Zeitpunkt bereits die notwendige geistige Reife haben, um mit seiner Diagnose fertig zu werden. Es wird dabei sensibel betreut und nicht auf seine Defizite reduziert!

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PECS

Das Picture Exchange Communication System (PECS) von Frost und Bondy ist eine alternative Kommunikationshilfe in Form von Bildkarten, die es Betroffenen ermöglicht, Wünsche zu äußern oder zu kommentieren. Ziel ist, den Betroffenen dazu zu befähigen, von sich aus eine Kommunikation zu initiieren. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass diese Kommunikation spontan erfolgt und vom Betroffenen ausgeht. Dabei wird eine Bildkarte, die ein begehrtes Objekt abbildet, mit einem Kommunikationspartner ausgetauscht. Ausgehend von Bedürfnisäußerungen kann im Rahmes des PECS-Ansatzes auch das Kommentieren und Fragen stellen gezielt geübt werden. Bei Kindern unter fünf Jahren hat der gezielte Einsatz von PECS zum Spracherwerb geführt. Der Spracherwerb ist jedoch nicht das eigentliche Ziel von Pecs, sondern die funktionale, spontane Kommunikation mit anderen Menschen!

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Applied Behavior Analysis / Verbal Behavior

Applied Behavior Analysis ist ein verhaltenstherapeutisches Verfahren, welches durch den gezielten Einsatz von Verstärkung kleinschrittig und mit vielen Wiederholungen diverse Kompetenzen anbahnt. Wichtig dabei ist die Hilfestellung (sog. Prompting), die immer dann gegeben wird, wenn ein Kind eine korrekte Lösung nicht zeigen kann. Eine korrekte Antwort wird immer durch Lob und einen weiteren Verstärker belohnt. Verstärker können ess- oder trinkbare Dinge, Spielzeuge oder beliebte Handlungen sein. Diese Verstärker werden mit der Zeit wieder reduziert, um die Abhängigkeit von ihnen zu verhindern.
Beim Verbal Behavior Ansatz wird die Motivation des Kindes gezielt in den Vordergrund gerückt. Aufbauend auf der Motivation des Kindes werden Programmpunkte erarbeitet, die überwiegend in natürlichen Situationen und am Tisch erarbeitet werden können. Dies erfolgt durch Pairing, d.h. durch das Koppeln beliebter Aktivitäten und Gegenstände mit Personen und/oder weniger beliebten Aktivitäten.

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